Ausstellung · Stadtmuseum Weilheim i.OB

Aus Licht gewebt.

Fotografische Arbeiten über Licht, Material und Wahrnehmung von Uwe Kobold

18. Juli – 22. August 2026  ·  Marienplatz 1, 82362 Weilheim i.OB

Ort

Stadtmuseum Weilheim

Marienplatz 1, 82362 Weilheim i.OB

Öffnungszeiten

Di–Sa, 10–17 Uhr

Montag geschlossen

Weben ist das älteste Bild für Entstehung.

Der Kosmos als Gewebe. Die Zeit als Faden. In fast jeder Sprache, in fast jeder Kultur greift der Mensch nach diesem Bild, wenn er erklären will, wie aus dem Nichts etwas wird, das hält.

Was aber, wenn das Material kein Faden ist, sondern Licht?

Licht lässt sich nicht festhalten. Mal Welle, mal Teilchen, je nachdem, wie wir fragen. Es verändert sich in dem Moment, in dem wir es betrachten wollen. Und die Dinge, die es berührt, verändern sich mit. Wir treten in Resonanz mit dem, was wir sehen, und sind nie nur Zuschauer. Beobachtung ist immer auch Eingriff.

Wir sehen keine Dinge, wir empfangen Licht und unser Gehirn webt daraus eine Welt. Was als Welle auf die Netzhaut trifft, wird zu neuronalem Impuls und erzeugt biochemische Reaktionen, es wird zu Muster, zu Bedeutung, und irgendwo in diesem Kreislauf zwischen Reiz und Bewusstsein entsteht: ein Blatt, ein Stein, das Innere einer Kathedrale, und Emotion. Real und doch nicht greifbar. Ein Konstrukt aus Schwingungen, transient in unserem Bewusstsein.

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Die gezeigten Arbeiten bilden das nicht ab. Sie vollziehen es nach.

Was hier zu sehen ist, sind keine fotografischen Dokumente. Die Bilder sind überschichtet, verdichtet, abstrahiert. Moment ist über Moment gelegt, Licht über Licht. Nicht weil die Wirklichkeit verschönert werden soll, sondern weil Wahrnehmung selbst so funktioniert. Das Gehirn bildet nicht ab. Es schichtet. Es legt Erfahrung über Erfahrung, Erinnerung über Gegenwart, Erwartung über Eindruck. Was wir glauben zu sehen, ist immer schon ein bearbeitetes Bild, nie die Wirklichkeit selbst, sondern ihre Verdichtung in uns.

Die Überlagerung resultiert aus der Grundannahme, dass ein einzelner Moment nicht genug ist, um zu zeigen, was ein Ding wirklich ist. Dass die Tiefe der Dinge sich erst in der Schichtung offenbart, wenn Licht hinter die Oberflächen scheint, wenn Augenblicke sich durchdringen und etwas entsteht, das keine Kamera in einem einzigen Auslöser festhalten könnte.

Ein Blatt wird transparent und fest zugleich. Ein Kirchenraum trägt das Gewicht von Jahrhunderten und die Leichtigkeit eines einzigen Lichteinfalls. Die Bar der Schatzalp wird Teil der Stille, die sie umgibt.

Die Bilder zeigen eine tiefere Welt, sie verfremden die sichtbare nicht, aber sie zeigen mehr, weil sie ehrlicher sind als ein einzelnes Abbild. Ehrlicher darüber, dass Sehen kein Moment ist, sondern ein Prozess. Eine Verdichtung. Ein Weben.

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Aus Licht gewebt — das gilt für diese Arbeiten. Und für alles, was wir je gesehen haben.

Kurzbiografie · Uwe Kobold

Dr. Uwe Kobold lebt und arbeitet südlich von München. Seine künstlerische Praxis entstand aus einem eher ungewöhnlichen Lebensweg: Nach einer Promotion in den Naturwissenschaften und einer langjährigen Karriere in Forschung und Entwicklung mit Schwerpunkt in der klinischen Chemie und Life-Science-Branche wandte er sich seit Ende der 2010er-Jahre der Fotografie und bildenden Kunst zu.

Wissenschaftliche Genauigkeit, strukturelles Denken und methodische Reflexion verbinden sich mit künstlerischer Neugier zu einer Praxis, die Wahrnehmung nicht abbildet, sondern hinterfragt. In enger Zusammenarbeit mit Gabi Weller-Kobold wird jedes Werk als Objekt gedacht; Bildträger, Oberfläche und Rahmung sind integrale Bestandteile des Wahrnehmungsraums.

Marienplatz 1, 82362 Weilheim i.OB

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