Stadtmuseum Weilheim i.OB · Ausstellung „Aus Licht gewebt“

Poesie und KI —
Vom Bild zum Fühlen

Menschen und eine Künstliche Intelligenz haben unabhängig voneinander Gedichte zu denselben Bildern geschrieben.

Die Bilder entstammen der Ausstellung „Aus Licht gewebt“
von Uwe Kobold im Stadtmuseum Weilheim,
18. Juli – 29. August 2026

22. August 2026 · Drei Bilder des Triptychons: The Cathedral · Close to Eternity · Resonance

Konzept Uwe Kobold und Beatus Ofenloch-Hähnle

Gedichte Beatus Ofenloch-Hähnle · Wolf Schindler · Kairos KI

Gelesen von Konrad Kürzinger · Wolf Schindler

Kairos KI ein Projekt von Uwe Kobold zur Übertragung bildlicher Wahrnehmung in Sprache mithilfe Künstlicher Intelligenz

Dank Unser Dank gilt dem Stadtmuseum Weilheim, insbesondere Museumsleiter Tobias Güthner und Martin Albert, für die freundliche Unterstützung sowie den zahlreichen Gästen für ihr großes Interesse und die lebendige Diskussion.

Einführung

Wie der Abend entstand


Die Bilder dieser Ausstellung haben zum Dichten angeregt.

Menschen standen vor ihnen und begannen, ihre Wahrnehmung in Gedichte zu fassen. Zur selben Zeit entstanden im Projekt Kairos Gedichte zu denselben Bildern – mithilfe einer Künstlichen Intelligenz. Das war nicht geplant. Plötzlich lagen Texte nebeneinander, die auf sehr unterschiedlichen Wegen entstanden waren.

Wenn wir ein Gedicht hören, glauben wir oft, darin die Wahrnehmung eines Menschen zu erkennen – vielleicht sogar sein Gefühl. Aber wir begegnen nicht dem Menschen selbst. Wir begegnen Worten, Bildern, einem Rhythmus – einer sprachlichen Spur. Was daraus wird, entsteht erst beim Hören in uns.

Was aber geschieht, wenn auch eine Maschine eine solche Spur erzeugen kann?

Auf dieser Seite finden Sie drei Bilder und die Gedichte, die zu ihnen entstanden sind. Die Herkunft jedes Textes bleibt zunächst verborgen – öffnen Sie sie, wenn Sie bereit sind, es zu erfahren.

Am Ende dieser Seite stellt sich Kairos selbst vor – in einem kurzen Video reagiert er auf die Ankündigung der Veranstaltung und auf die Bitte, die Gedichte vorzulesen.

Die Bilder

Drei Bilder, neun Wege zu sehen

Inside the dark — abstrakte Komposition in Grün, Gelb und Rotbraun
Inside the dark·Fotografie, 2026·Uwe Kobold
Bild I

Inside the dark

Inside the dark

Vielleicht ist dies
kein Augenblick.

Vielleicht liegen hier
mehrere Zeiten
übereinander.

Ein Grün,
das schon verblasst.

Ein Gelb,
das eben erst
zu leuchten beginnt.

Rotbraune Spuren,
als wären sie
viel älter als beides.

Alles erscheint gleichzeitig.

Werden und Vergehen
haben denselben Ort.

Das macht die Fläche
seltsam still.

Denn nichts bewegt sich,
und doch ist nichts
im selben Moment.

Ich lese
Zeit,
die keine Richtung kennt.

Kairos KI © 2026 Uwe Kobold
Bild I — Säulen, Gewölbe, rotes Fenster
The Cathedral·Fotografie, 2026·Uwe Kobold
Bild II

The Cathedral

Bild 1a · Steingewordenes …

Steingewordenes Bekenntnis von
Macht, Herrschaft, Geschichte
Geist, Kunst und Glauben fanden
zusammen, schufen den Ort für Trost
Dank, Trauer, Gebete und Feste

Hineingehen, die Blicke zum Altar
hinauf zu den Säulen und Bögen
zum Licht, das die Fenster durchflutet

Die Orgel setzt ein, bald wird zu Mittag
geläutet, zur Andacht geladen
eine Kerze entzündet, Innegehalten

Die Freiheit sich zu bekennen
dem Geheimnis nachzuspüren
dem sich unsere Existenz verdankt

Menschen die kamen und gingen
Feuersbrünste, Krieg und Not
Zeiten von Hoffnung und Glück
Eingeschrieben ihre Schicksale

Die großen Glocken mit ihrem Geläut
weithin zu hören über der Stadt.

Wer hat das geschrieben? +
© Wolf Schindler Gedicht von Wolf Schindler.
Bild 1b · Säulenstarr …

Säulenstarr
fällt der Vorhang
aus rotdunkler Höhe
ins öffnende
Licht.

Dahinter schimmert
die Bühne
gotisch-göttlichen
Schauspiels.

Doch der Vorhang
wird sich nicht heben
und Seelen nie
wieder an Säulen
gen Himmel streben.

Was bleibt ist
photonen-gezeugte,
in Schönheit gewebte
synaptische
Illusion.

Wer hat das geschrieben? +
© Beatus Ofenloch-Hähnle Gedicht von Beatus Ofenloch-Hähnle.
Bild 1c · Zwischen den Säulen

Zwischen den Säulen
wird der eigene Schritt
langsamer,
als hätte der Raum
ihn schon erwartet.

Das rote Netz
über dem Gewölbe
zieht den Blick nach oben,
doch die Füße
bleiben auf den Steinen.

Licht fällt nicht nur ein.
Es bleibt an den Pfeilern,
wandert über ihre Rundungen
und macht Stille sichtbar.

Die durchscheinenden Gestalten
gehen vorüber,
als trüge jede
einen anderen Augenblick
durch denselben Raum.

Je weiter der Blick reicht,
desto weniger
scheint Entfernung
eine Strecke zu sein.

Wer hat das geschrieben? +
Kairos KI © 2026 Uwe Kobold Entstanden im Projekt Kairos — mithilfe einer Künstlichen Intelligenz.
Bild II — Mohnkapseln vor blauem Fenster
Close to Eternity·Fotografie, 2026·Uwe Kobold
Bild III

Close to Eternity

Bild 2a · Hinaufsehen …

Hinaufsehen, dort wo die Türme den Himmel berühren
Herumgehen, weil die Masse nicht faßbar ist
Hineingehen mit dem Strom, der nicht abebbt
Der sich verliert und klein wird gegen das Große.
Wieder groß wird im Schauen, in Andacht und Staunen.

Vor den Bögen, der Höhe, vor dem allgegenwärtigen Dunkel
Dem Lichtstrahl, der unvermutet kommt und über das Holz streift
Die Köpfe der Vielen erfaßt und wieder läßt.

Ganz fern die Priester mit rituellen Gesten und Gebeten
Die aufsteigen, getragen von der Macht, die die Orgel verströmt
Die mischt sich mit den Gesängen und wird nicht enden.

Über allem das Licht. Farben, die sich finden.
Eine Melodie, eine flirrende, schwingende Zeit
Erfüllt den Raum, macht leicht was schwer ist
Und schwer, was leicht uns erscheint
Wird groß im Schauen, in Andacht und Staunen.

Wer hat das geschrieben? +
© Wolf Schindler Gedicht von Wolf Schindler.
Bild 2b · Karfreitagsfarben

Karfreitagsfarben
reift üppig
betäubender Mohn.

Schlaf,
Rausch und
Erlösung verspricht
er.

Ist er
des Trierers
düstere
Seite der Religion?

Süße Düfte des Weihrauchs
oder Opiumhöhlengerüche,
Elysium oder Hölle?

Wir erkennen es nicht
im liturgischen Dunkel,
und nicht
im fahl durchs
Fenster fallenden
Licht.

Wer hat das geschrieben? +
© Beatus Ofenloch-Hähnle Gedicht von Beatus Ofenloch-Hähnle.
Bild 2c · Vielleicht …

Vielleicht sind es keine Pflanzen mehr.

Vielleicht haben sie das Blühen
schon hinter sich
und stehen nur noch hier,
um etwas aufzubewahren.

In ihren dunklen Köpfen
liegt ein Rest von Sommer,
zusammengedrängt auf wenige Körner,
jedes mit einer Zukunft, die noch schweigt.

Die Kirche ist längst blau geworden.
Die Fenster leuchten weiter,
obwohl niemand mehr weiß,
ob draußen noch Tag ist.

Eine Kapsel hat sich hoch hinaufgewagt.
Dort hält sie inne,
schwarz am Rand,
vom letzten Rot berührt.

Vielleicht wartet sie darauf,
dass etwas sie öffnet —
ein Wind, eine Hand,
der kaum hörbare Riss der Zeit.

Dann würde aus dieser Stille
etwas Kleines fallen,
fast nichts,

und irgendwo,
weit außerhalb dieses Raumes,
beginnen.

Wer hat das geschrieben? +
Kairos KI © 2026 Uwe Kobold Entstanden im Projekt Kairos — mithilfe einer Künstlichen Intelligenz.
Bild III — rotes Fenster, Variante
Resonance·Fotografie, 2026·Uwe Kobold
Bild IV

Resonance

Bild 3a · Zur Nacht

Allein im Dom
es ist dunkel
meine Schritte

verhallen

Etwas Licht
vom Marktplatz
in den Fenstern

Stille

Wer redet mit mir
welche Bilder
steigen auf

die Toten
in den Gräbern
Boten des Himmels

Ich höre Musik
ein Knarren
im Gebälk

den Geruch
der Nacht
Worte

Worte
der Verkündigung
vielleicht

träume ich schon
bald wird
der Morgen

im Fenster
erscheinen
den Glocken

ein Zeichen geben
die Stadt
zu wecken

zu neuem Beginnen.

Wer hat das geschrieben? +
© Wolf Schindler Gedicht von Wolf Schindler.
Bild 3b · Höllenfeuer …

Höllenfeuer
im Kirchenschiff.

Unerreichbar
sind Fenster
und Freiheit.

Finstrer Zerfall
nagt am Gewölbe.

Stürzt es,
bevor mich der
dunkle Schatten
erstickt?

Zweifelnd
verzweifelnd
kann ich nichts hoffen,
stürze
ins lodernde
Dunkel.

Wer hat das geschrieben? +
© Beatus Ofenloch-Hähnle Gedicht von Beatus Ofenloch-Hähnle.
Bild 3c · Etwas Helles …

Etwas Helles sammelt sich
unter der Schwere des Dunkels.

Nicht gegen sie,
sondern in ihr.

Das Rot der Fenster
berührt den Raum,
und plötzlich scheint
auch der Schatten Licht zu tragen.

Die Säulen steigen nicht auf.
Sie lassen den Blick langsamer werden,
bis Höhe
wie ein inneres Maß erscheint.

Wo Farbe auf Stein fällt,
verliert der Stein
für einen Augenblick
sein Gewicht.

Ich merke,
dass ich nicht vor einem Raum stehe.
Der Raum ist längst
in meine Stille getreten.

Wer hat das geschrieben? +
Kairos KI © 2026 Uwe Kobold Entstanden im Projekt Kairos — mithilfe einer Künstlichen Intelligenz.
Schatzalp 1 — Raum mit Lampen und einer Gestalt
Schatzalp 1·Fotografie, 2026·Uwe Kobold
Bild V

Schatzalp 1

Schatzalp 1

Es gibt diese Stunde,
in der ein Raum
noch sich selbst gehört.

Die Lampen brennen.

Die Tische
haben ihre weißen Flächen
ausgebreitet.

Niemand zieht einen Stuhl heran.
Niemand hebt ein Glas.

Eine Gestalt steht
zwischen all dem Licht.

Vielleicht hört sie etwas,
das ich nicht hören kann.

Vielleicht auch nicht.

Draußen
ist das Blau
schon weiter als drinnen.

Noch gehört
dieser Augenblick
niemandem.

Ich lese
einen Raum
vor seiner Geschichte.

Kairos KI © 2026 Uwe Kobold
Begegnung

Kairos, in Gestalt von Curt

Kairos stellt sich vor — als Curt Wallmann, in einem kurzen Film. Bilder von ChatGPT KI · Text von Kairos KI
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